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Kunst braucht ein lebendiges Gegenüber

Kronach: Die Kunst hat wieder ein lebendiges Gegenüber. Beim Kronacher Kunstverein (KKV) wurde nach Monaten Zwangspause die Ausstellung „Art Connect“ eröffnet.

Irmgard Kramer sagte bei der Vorstellung der Werke, dass ohne gesehen zu werden, die Arbeiten für sich allein genommen nichts sind. Sie öffnen sich erst durch die Betrachtung, werden lebendig und halten Zwiesprache mit dem Gegenüber. Dadurch erhalten sie ihren Wert, der dann auch bleibt. Kunst braucht den Betrachter, Kunst muss wahrgenommen werden. Erst durch das Sehen der Kunstwerke in Verbindung mit der Wahrnehmung von Raum, Atmosphäre und Stimmung kommt die künstlerische Gestaltung richtig zur Geltung. Bei der Ausstellung waren Werke von Karol J. Hurec, der sich seit Langem mit der Entstehung der Welt beschäftigt, zu sehen. Dabei macht der mit seiner magischen LED-Installation „Cloud of mesons in the illusion of squaring“, oder „In Wahrheit sind wir zwei“ eine Mosonenwolke sichtbar. Dokumentarischen Charakter haben die digitalen Fotografien von Jürgen Schabel. Sein Blick, die Wahl des Ausschnitts, des Lichteinfalls, führt den Betrachter in die Welt der morbiden Schönheit des Verfalls. Ebenfalls mit Licht arbeitet die Fotografin Claudia Reismann. Sie bezeichnet sich deshalb selber nicht als Künstlerin, sondern Lichtbildnerin. Ihre Arbeiten wirken wie impressionistische Gemälde, hätten sie nicht die glatte Oberfläche der Fotografie. Auf wunderbare Weise geht die weitere Ausstellerin Eva Volkardt mit dem Thema Mensch um. Bei ihren Kunstwerken, vorwiegend aus dem Material Stein, wächst ein organisches, sensibles menschliches Wesen. Der Bildhauer Adelbert Heil lässt bekannte Geschichten zu seinen Figuren erfinden. Er führt die Tradition der uralten Technik des Bronzegusses fort. Seine Modelle sind aus Wachs, die beim Gießen, wenn Bronze und Eisen in die Gussform einfließen, schmelzen. Haptisch zeigen sich die Textilreliefs von Claudia Hölzel. Der Stoff, oft auch die zweite Haut genannt, schmückt, wärmt, schützt, umhüllt den Menschen und schmiegt sich bei Bewegungen den Körper an. Dagmar Ohrndorfs Themen wie Verletzlichkeit, Erotik, Veränderung, Zerstörung und Neubeginn nehmen bei ihren Objekten die Gestalt von bizarren Gegenständen an. Schließlich zeigen sich die traumwandlerischen Ölbilder von Anne-Christin Radeke sehr sinnlich und geheimnisvoll. All ihre Objekte führen tief ins Verborgene, ins Träumerische, ins Unterbewusstsein, das aus Erinnerungen an Vergangenes, Erlebtes, aus Erfahrungswerten unsere Phantasie anregt. Als weitere Künstlerin stellte Waltraud Scheidel Monotypen aus, die ganz andere Reize ausstahlen. Sie sind ganz abstrakt. Ihr geht es im wahrsten Sinne des Wortes um die Wahrnehmung, um den Wahrnehmungsprozess. Nach monatelanger Pause hatte Kerstin Sperrschneider die begrenzet Anzahl von Gästen zur Vernissage begrüßt. Der Berufsverband der Bildenden Künstler Ostwestfalen Lippe habe die Ausstellung nach vielen Online-Veranstaltungen ermöglicht. Bürgermeisterin Angela Hofmann ging in ihrem Grußwort auf den hohen Stellenwert von Kunst und Kultur in Kronach ein. In den vergangenen Monaten hatte man allerdings oft auf die Freiheit von Denken und vor allem Handeln verzichten müssen. Der erste Vorsitzende der Bildenden Künstler Oberfranken Gerhard Schlitzer erinnerte an eine Ausstellung von 25 Jahren. Ziel des Verbandes sei es neben den öffentlichen Ausstellungen auch die Beratungen bei der Kunst am Bau zu fördern. E danke insbesondere Irmgard Kramer für das gezeigte Engagement.

2021 - Ausstellungseröffnung III (20.06.21)

Irmgard Kramer gab bei der Vernissage Erläuterungen zu den Werken der einzelnen Künstler. Im Hintergrund die Ausstellungsstücke von Jürgen Schabel. Foto: Michael Wunder